Chronik

Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Petzenhausen - (Verfasser: Paul Ach)

Feuerschutz war schon seit alten Zeiten auch in Petzenhausen eine Gemeinschaftsaufgabe. Dazu gab es zwar papierene Polizeivorschriften, die mangelhaften technischen Möglichkeiten vereitelten jedoch ihre Wirkung. So wurde durch ein Missgeschick am Aschermittwoch 1840 ein großer Teil des unteren Dorfes eingeäschert. Dem Brand fielen sechs Bauernhöfe mit den Nebengebäuden, drei Söldhäuser, der Pfarrhof und die Mühle - insgesamt 23 Firste - zum Opfer. Selbst die Pfarrkirche wurde schwer beschädigt.

In den Jahren nach 1870 beauftragte die Regierung die Bezirksämter, das Feuerschutzwesen nach einheitlichen Grundsätzen zu gestalten und Freiwillige Feuerwehren ins Leben zu rufen. Nach vielen anderen Wehren im Landkreis wurde im August 1875 auch die Freiwillige Feuerwehr Petzenhausen gegründet. Leider ist uns aus dieser Zeit über das Löschwesen kaum etwas überliefert.

Zwischen 1905 und 1954 sind in Petzenhausen 10 große Brandfälle bekannt. Im Dorfzentrum stand bis in den fünfziger Jahren ein kleines Gerätehaus, in dem ursprünglich eine Handpumpe untergebracht war. Löschkübel an der Wand ließen erahnen, mit welch einfachen Mitteln die Wehrleute die bedrohlichen Brände bekämpften. Das Löschwasser entnahm man im Unterdorf dem Verlorenen Bach, im Oberdorf pumpten es die Brandlöscher aus dem Vorratsbecken einer Wasserleitung. Zu Übungen, zumeist am Sonntag nach dem Gottesdienst, und im Brandfall bliesen bis in die sechziger Jahren Max Dietrich und Anton Wörle mit ihren Trompeten. Letzterer hatte diesen Dienst von seinem Vater übernommen. An der ersten Motorspritze, die während des Krieges etwa 1942 nach Petzenhausen kam, stand als erster Spritzenmeister Josef Eberle.

Nach dem Krieg wurde der Brandschutz dann Zug um Zug verbessert. Die Gemeinde baute 1957 für den damals stolzen Betrag von 11.346,44 DM ein neues Gerätehaus mit einem Turm, in dem die Schläuche getrocknet werden konnten.

Im damals "neuen" Feuerwehrhaus 
(Bild links) stand mit einer Magirus TS8 VW bald eine modernere Motorspritze, die auf einem Anhänger transportiert wurde. Neben dem Gebäude legte man zugleich einen Feuerlöschteich an, der 50 m3 Wasser fasste.
1960 erhielt das Dorf eine zentrale Wasserleitung, gleichzeitig wurde mit 15 Hydranten die Löschwasserversorgung flächendeckend gesichert. Auf dem Dach des Schulhauses wurde eine Sirene montiert. Um den Feuerschutz im Dorf zu gewährleisten, führte die Gemeinde 1961 eine Feuerschutzabgabe ein. Mit 15 DM durfte man sich aber nur "freikaufen", wenn die Sollstärke der Wehr von 27 Mann erfüllt war. Für eine versäumte Übung waren beim Kassierer 2 DM zu zahlen. 

Die Grundakte dieser und der folgenden Jahre berichten im Durchschnitt von 25 bis 30 aktiven Feuerwehrleuten, die sich unermüdlich fortbildeten, sich regelmäßig den Leistungsprüfungen unterzogen und laufend Leistungsabzeichen erwarben.


Teilnehmer für das Leistungsabzeichen 1978
vordere Reihe, von links:
Josef Stepperger, Klaus Heigl, Anton Keller, Anton Drexl, Karlheinz Wolski, Johann Koller, Richard Kaul,
Eduard Thurner
hintere Reihe, von links:
Franz Kerber (Bürgermeister), Melchior Keller, Georg Keller, Johann Schäffler, Georg Sailer, Josef Keller,
Bernhard Drexl, Max Gistl, Anton Wurmser, Alfred Thurner, Kurt Pilsl, Anton Thurner, Simon Wurmser,
Georg Ach, Georg Nebel, Engelbert Lichtenstern, Josef Rieger (ehem. Kreisbrandmeister),
Johann Winterholler (Kreisbrandmeister), Eugen Drischberger (Kreisbrandrat), Robert Huber (1. Kommandant)

Mit zahlreichen Anträgen an die Gemeinde bemühten sich die Kommandanten, die Ausrüstung der Wehr zu verbessern. Zur Tradition wurde das jährliche Fischessen mit schmackhaften Forellen aus dem Löschwasserteich.

Am 12. Juli 1975 feierte die Feuerwehr mit einer schlichten Feier ihr hundertjähriges Gründungsfest.
1978 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Petzenhausen ihr erstes Löschfahrzeug (Bild links).
Das Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) vom Typ Ford Transit, Baujahr 1964, wurde am 2.8.1978 von der Freiwilligen Feuerwehr Weil übernommen.
Als die Gastwirtschaft des Dorfes geschlossen wurde, suchte die Feuerwehr eine eigene Bleibe. Dazu bot sich lediglich ein nur 20 m² großer Raum im Gerätehaus an. Diesen baute man 1986 zu einem Unterrichts- und Gesellschaftsraum aus. Mit einem Gottesdienst wurde dann das "Florianstüberl" feierlich eingeweiht. Alle waren dankbar, dass man wenigstens einen kleinen Raum hatte, in dem man sich treffen konnte.

Am 20.02.1992 wurde Robert Huber, der 20 Jahre als Kommandant die Petzenhausener Feuerwehr führte zum Ehrenkommandanten ernannt.
Ab 1996 errichtete vor allem die Feuerwehr, finanziell unterstützt durch die Gemeinde, mit vielen freiwilligen Helfern im Erdgeschoss der frei gewordenen Schule ein Bürgerheim und baute ein modernes Feuerwehrhaus (Bild links) an.
Im November 1996 feierte man Richtfest. Das Dorf hatte seit vielen Jahren erstmals wieder einen vollwertigen Raum der Begegnung.

Am 9. April 1998 wurde der Feuerwehrverein Petzenhausen e. V. gegründet.

Im Gerätehaus stand seit September 1998 das Löschfahrzeug LF 8 (Bild links). Das Löschgruppenfahrzeug LF 8, Baujahr 1978, wurde am 06.02.1999 von der Freiwilligen Feuerwehr Schwabhausen übernommen.

Abgelöst wurde es vom neuen Löschfahrzeug TSF-W im Februar 2017.
Vom 19. bis zum 22. Juli 2001, feierte die Freiwillige Feuerwehr Petzenhausen mit zahlreichen Gästen das 125-jährige Gründungsjubiläum, bei dem unter der Patenschaft der Freiwilligen Feuerwehr Geretshausen die neue Vereinsfahne geweiht wurde.

Im Bild rechts ist die handkolorierte Urkunde der Gemeinde Weil zu sehen, die anläßlich der Festtage vom damaligen Bürgermeister Josef Schmelcher überreicht wurde.

Am 14.Juli 2002 fand dann endlich die Einweihung des neuen Feuerwehrhauses statt.
Vor dem Festgottesdienst weihte Pfarrer Plank (Bild links) die Räumlichkeiten.
Danach wurde begleitet von einem gelungenen Rahmenprogramm u.a. mit Besuch eines Hubschraubers vom LTG 61 aus Penzing (Bild links) ausgiebig gefeiert.